Computerlinguistik und Spiele

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Ich sag’s ja: Com­pu­ter­lin­gu­is­ten und Game­de­si­gner haben sich viel zu geben. Das merke ich bei der eige­nen Arbeit, das bestä­tigte mir eine ehe­ma­lige Kom­mi­li­tio­nin aus eige­ner Erfah­rung, das klingt aus Beschrei­bun­gen des Spiels Bot­Co­lony (ob da noch mal was kommt?) — und das zeigt die­ser MIT-News Arti­kel über ein Sys­tem, dass anhand der natür­lich­sprach­li­chen Anlei­tung zu Civi­liza­tion das Spiel zu spie­len lernt.

Linguistik/Games: Sprachlücken

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Ein Dozent sagte mal, Sprach­lü­cken gäbe es zwar, aber wenn Bedarf bestünde, wür­den sie sich schnell fül­len. Seit län­ge­rem schon ärgere ich mich dabei über einige Sprach­lü­cken, die mir zu schaf­fen machen, als da wären die aufe und zue Tür, die ane oder ause Kerze, die schade Sache und so fort. Auch dass man zwi­schen zwei sehr unter­schied­li­chen For­men von Freund bzw. Freun­din nur mit eine/r und meine/r behelfs­weise dif­fe­ren­ziert, geht mir auf den Zei­ger, aber mit all dem kann man leben. So denke ich zum Bei­spiel, wenn ich lange genug ane Kerze und aufe Tür sage, wird es irgend­wann Sprach­stan­dard wer­den (oder ich ver­rückt, siehe “Ein Tisch ist ein Tisch” von Peter Bich­sel). Aber als ich neu­lich ein Match-3 Game ins Deut­sche loka­li­sierte, wäre ich aber bei­nahe vom Glau­ben abge­fal­len. Die­ses ganze Genre wim­melt nur so von Sprach­lü­cken.
Was? Ihr kennt keine Match-3 Games? Kein Thema, auf Deutsch nennt man das 3-Gewinnt. Warum? Weil matchen auf Deutsch in die­sem Zusam­men­hang “glei­che Teile zuein­an­der in Bezie­hung set­zen” hei­ßen müsste — und “3 Glei­che Teile zuein­an­der in Bezie­hung setzen-Spiele” klingt nicht wirk­lich ele­gant. Tja, aber es geht gleich wei­ter, denn was für Dinge muss man da mit­ein­an­der, äh, matchen? Tiles. Ein Tile ist eine Kachel, so weit so rich­tig. Komi­scher­weise sind damit aber Dinge gemeint (“Teile”?) die auf den Kacheln lie­gen. Und wie matcht man Tiles? Man ver­tauscht zwei direkt neben­ein­an­der­lie­gende Kacheln. Auf Eng­lisch klingt das so: “To match three tiles, swap two adja­cent tiles.” Auf Deutsch: “Um drei glei­che Kacheln in eine Reihe zu bekom­men, musst du die Posi­tion zweier direkt neben­ein­an­der­lie­ge­ner Kacheln ver­tau­schen.” Dass das so nicht unbe­dingt auf einen Handheld-Screen passt, sollte klar sein. Man behilft sich halt auch hier, und so sagen wir anstatt Match “Bilde Grup­pen” oder “Grup­piere” und den Rest bringt man halt irgend­wie unter. Blöd bleibt ein­zig, dass “Grup­pie­ren” und Deri­vate weder so mäch­tig sind, wie “Match”, noch so ele­gant — loka­li­sie­ren fühlt sich hier jeden­falls immer an, als müsste man mit hal­bem Gehirn arbeiten.

Am Rande: Spezialisierung

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Wie immer schei­tert es an mei­nem Unwil­len zur Spe­zia­li­sie­rung (und damit Per­fek­tion).” waren die letz­ten Worte des letz­ten Posts. In der Tat ein Thema, über das ich viel nach­ge­dacht habe, in den letz­ten Jah­ren. Unmit­tel­bar nach­dem ich den Post geschrie­ben hatte, stieß ich in einem ganz ande­ren Zusam­men­hang auf ein Zitat des SF-Großmeisters Hein­lein. Es gefällt mir extrem gut, da es die Sache ein wenig zu mei­nen Guns­ten wen­det, öffent­lich bewun­dere ich zwar immer die Spe­zia­lis­ten aber ins­ge­heim hab ich mich schon ein wenig über mein Gene­ra­lis­ten­da­sein gefreut:

Ein Mensch sollte in der Lage sein Win­deln zu wech­seln, eine Inva­sion zu pla­nen, ein Schwein zu schlach­ten, ein Schiff zu steu­ern, ein Gebäude zu ent­wer­fen, ein Sonett zu schrei­ben, eine Buch­hal­tung zu sal­die­ren, eine Wand zu bauen, einen Bruch ein­zu­rich­ten, einen Ster­ben­den zu trös­ten, Befehle zu emp­fan­gen, Befehle zu geben, zu koope­rie­ren, selb­stän­dig zu han­deln, eine Glei­chung zu lösen, ein neues Pro­blem zu ana­ly­sie­ren, Mist aus­zu­füh­ren, einen Com­pu­ter zu pro­gram­mie­ren, ein lecke­res Essen zu kochen, effi­zi­ent zu kämp­fen und wür­de­voll zu ster­ben. Spe­zia­li­sie­rung ist was für Insek­ten.”

–Robert Hein­lein: Time Enough for Love

Programmieren für Idioten — Teil 3

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Mein Freund Mo wies mich dar­auf hin, dass man pro­gram­mie­ren am bes­ten mit einem Ziel lernt. Ich nehme an, Hacker sein zu wol­len, ist in die­sem Sinne nicht ziel­füh­rend. Das ist als würde man flie­gen ler­nen wol­len, um Pilot zu sein und nicht umge­kehrt. Was ich also brau­che, ist ein Pro­jekt, eine Auf­gabe, eine Mis­sion. Mo hatte damals eine eigene Blog­ging­soft­ware schrei­ben wol­len. Ich hin­ge­gen ver­stehe nicht mal, warum Word­Press die letz­ten Wochen her­um­ge­zickt hat, geschweige denn, warum es jetzt wie­der funktioniert.

Bis vor kur­zem hat­ten sich mir in dem Zusam­men­hang immer Spiele auf­ge­drängt, “sowas wie Mon­key Island” zum Beispiel[1]. Nach gut andert­halb Jah­ren in der Spiele­in­dus­trie ist die­ser Wunsch etwas auf Brot­ver­die­nen­größe zurecht­ge­schrumpft und da steh ich armer Tor nun und weiß nix zu pro­gram­mie­ren außer däm­li­chen nicht funk­tio­nie­ren­den Tools die mir den Wiki­pe­dia­dump von Code befreien sol­len. Dazu stän­dig der Kampf: Widme ich meine Zeit dem Pro­gram­mie­ren oder der kon­kre­ten Pro­mo­ti­ons­ar­beit. Bei­des zugleich über­for­dert mich kon­se­quent. Jetzt habe ich auch noch seit lan­gem mal wie­der die schöne Anlei­tung How to become a Hacker gele­sen und fest­ge­stellt, dass es mit dem Drum­herum ziem­lich gut aus­sieht, nur die Pro­gram­mier­skills ver­har­ren irgendwo zwi­schen der ers­ten und der zwei­ten Kurve: Wie immer schei­tert es an mei­nem Unwil­len zur Spe­zia­li­sie­rung (und damit Perfektion).

[1] Das muss natür­lich nicht hei­ßen, dass kleine Spiel­chen und Spie­le­reien nicht dazu tau­gen, einen guten Ein­stieg zu ver­mit­tel, etwa wie in Invent your own com­pu­ter games with Python (auch wenn es eher an Kin­der gerich­tet ist)

Besser arbeiten: Noch mal Spirited Away

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Also nach Abschluss mei­ner Test­phase muss ich geste­hen, dass ich Spi­ri­ted Away wie­der von mei­ner Platte ver­bannt habe. Ein kur­zes Gast­spiel nur, und das ist eigent­lich schade, denn die Funk­tion an sich fand ich sehr — ja — ent­span­nend. Aber irgend­wie waren da einige Unge­reimt­hei­ten; nur noch gele­gent­lich funk­tio­nie­ren­des Ver­ber­gen via Blumenkohl-H, merk­wür­dige Icons an merk­wür­di­gen Stel­len im Dock, etce­tera.
Schade.

Linguistik: Januswörter

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Auf Manythings habe zum ers­ten mal von Janus­wör­tern gele­sen, laut Wiki­pe­dia auch als Anata­g­onyme bezeich­net. Dabei han­delt es sich um Wörter[1], die sowohl das eine, als auch das Gegen­teil des­sen bezeich­nen kön­nen. Über mein Lieb­lings­bei­spiel im Deut­schen stol­pere ich im All­tag gele­gent­lich, eigent­lich jedes mal, wenn unklar ist, ob ich jemand dazu auf­for­dere, sein Fahr­rad zu sichern oder zu ent­si­chern. Ein Beispiel:

Ich laufe neben einem Freund und schiebe mein Rad. Er will ein Café betre­ten, ich sage “Geh schon mal vor, ich geh nur eben mein Rad abschlie­ßen.” Ich geh also ein paar Meter zum Rad­stän­der und schließe das Rad ab. Nach dem Kaf­fee geht der Freund noch mal auf Klo, ich sage “Wir sehen uns am Aus­gang, ich geh nur eben mein Rad abschlie­ßen.” Dann geh ich wie­der die paar Meter und schließe das Rad vom Rad­stän­der ab.

Ein ande­res Bei­spiel im Deut­schen wäre etwa das Verb “aus­bauen” (Ein Teil aus­bauen vs. ein Gebäude ausbauen).

Wit­zig, oder?

[1] Das Thema Wör­ter ist in der Lin­gu­is­tik ohne­hin so eine Sache. Ich glaube ja nicht, dass es sich um ein Wort mit zwei Bedeu­tun­gen han­delt, son­dern um zwei Wör­ter mit glei­cher Ober­flä­chen­struk­tur, die also nur gleich aussehen.

Besser arbeiten: Spirited away

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Ein­mal akti­viert blen­det Spi­ri­te­dA­way alle Pro­gramme, die eine gewisse Zeit lang inak­tiv sind, aus. Eine Funk­tion, die so ein­fach klingt, dass man sich die Freude, die die­ses kleine Tool macht, gar nicht vor­stel­len kann. Aber es macht wirk­lich Spaß. Ganz und gar geis­ter­haft und nur für Mac.

Edit: Es kann einem aber auch ganz schön auf den Zei­ger gehen. Viel­leicht ist 1 Minute zu knapp kal­ku­liert. Mal sehen.

Edit 2 (15.10.): Okay, so ganz rund läuft das Tool schein­bar nicht. Das letzte Fens­ter kann man nicht mehr manu­ell aus­blen­den, zumin­dest nicht immer. Und im Dock spuk­ten eben auch komi­sche Icons herum die sich nicht so recht iden­ti­fi­zie­ren lie­ßen (etwa ein hal­bes wei­ßes Icon mit Namen GMail (via Fluid) im Bereich wo nur Ord­ner sein dürf­ten). Alles sehr strange. Ich werde das noch ein wenig beob­ach­ten, aber ich fürchte, das Pro­gramm hat ne kleine Macke, leider.

Am Rande: Ich bin ein Computer. Werbung und so.

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Ich habe ja neu­lich schon mal meine Lei­den­schaft für Ami­gas kund­ge­tan. Das hier hab ich bei Twit­ter über mei­nen lie­ben Freund Fabian vom Fri­endly Anar­chist gefunden.

Sehr tref­fend! Über­dies bringt mich das Thema auf einen der weni­gen Erfolge die Micro­soft in den letz­ten Jah­ren zu ver­bu­chen hatte[1], zumin­dest mei­ner Mei­nung nach: Die Rede ist vom gelun­ge­nen Entern von App­les “Ich bin ein Mac”-Kampagne:

Die hatte mir anfangs ziem­lich gut gefal­len, aber schon nach kur­zer Zeit erschien mir der Apple-Hipster ziem­lich unsym­pha­tisch. Diese Stim­mung hat Micro­soft genutzt um den eigent­li­chen Schmähs­lo­gan posi­tiv umzu­wer­ten. (Hier sieht das jemand anders, wie ich gerade fest­stelle. Offen­bar ist der Slo­gan “Ich bin ein PC” für viele zu abs­trakt: “Häh, wieso ist der denn ein PC?” Schwie­rig, wenn man Kon­ven­tio­nen bedie­nen muss, die nur eine Teil­menge der poten­ti­el­len Kun­den kennt. Hier noch ein Arti­kel von Win­fu­ture dazu, der das etwas posi­ti­ver sieht.)

Das Fern­se­hen und die Pla­kat­wände (zumi­dest hier in Ber­lin) hal­len nun wider vom Slo­gan “Ich bin ein PC und bla­bla­bla war meine Idee” stand. Und ich finde spe­zi­ell die Pla­kate wirk­lich gelun­gen: die Leute sind sym­pha­tisch, die Fotos schön und der Spruch dane­ben wirkt toll. Da will man irgend­wie auch ein PC sein.
Und da ist sie wie­der, die Unfä­hig­keit von Micro­soft, etwas gut bis zum Schluss zu machen. So toll ich den Slo­gan und die Pla­kate finde: Der “bla­bla­bla war meine Idee”-Spruch ist auf Pos­tern nicht ver­ständ­lich, die Wer­bung im TV nervt auf­grund der Hek­tik die sie ver­brei­tet und dass sich PC auf Idee reimt wirkt auf mich eher unge­wollt. Aber das nur am Rande.

Der Bla­bla­bla­teil ist zwar nicht so gelun­gen (und die Fern­seh­wer­bung nervt auch ziem­lich, spe­zi­ell die in den 8 Sekunden-Demos), aber den Slo­gan haben sie mei­ner Ansicht nach ziem­lich gut umgewertet.

[1] Viel­leicht neben Bing, ich find die Seite lie­fert eigent­lich ganz anstän­dige Ergeb­nisse. Ich benutze Bing im Grunde nur des­we­gen nicht als Stan­dard­such­ma­schine, weil es kei­nen Link zu Goo­gle­mail in der obers­ten Zeile hat: die Macht der Gewohnheit.

Stichwort: Suchmaschinen

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Den Arti­kel zu Such­ma­schi­nen, den ich im Post über die Zitat­jagd neben­bei ver­linkt hatte, habe ich mir eben noch mal genauer ange­se­hen und bin ganz begeis­tert: Das ist ein Stück leben­dige WWW-Geschichte. So haben wir also 1998 das Inter­net erlebt: Eine erfreu­li­che Aus­wahl an Such­ma­schi­nen, gerade für das Deut­sche, wie Eule, Fire­b­all, Koli­bri und so wei­ter, span­nende neue Fea­tures wie dop­pelte Inde­xie­rung bei Alta­Vista (um mit “Rose” auch den Wein zu fin­den — lei­der gab es keine Mög­lich­keit, umge­kehrt den Wein von der Suche aus­zu­schlie­ßen). In deut­schen Such­ma­schi­nen gab es keine Unter­stüt­zung für Fle­xion (Apfel vs. Äpfeln), aber dafür immer­hin Unter­stüt­zung für Umlaute! Sor­tie­rung nach Datum, Schwie­rig­kei­ten bei der Inde­xie­rung von lan­gen Doku­men­ten, kaum Pro­bleme beim Ver­ar­bei­ten einer immer­hin 200 GByte gro­ßen Daten­bank. Hui­hui­hui. Und dann die­ser junge Mit­be­wer­ber mit dem eso­te­risch klin­gen­den Namen:

Googles Name bezieht sich auf einen Witz des bekann­ten Phy­si­kers George Gamov, der die Zahl 10^100 (zehn hoch hun­dert) als ein goo­gol bezeich­nete und soll wohl eine opti­mis­ti­sche Abschät­zung der Index­größe dar­stel­len. Hin­ter die­sem eso­te­risch klin­gen­den Namen ver­birgt sich eine neue und spe­zi­ell nach ame­ri­ka­ni­schen Bedürf­nis­sen kon­stru­ierte Such­ma­schine. Lei­der bedeu­tet das den voll­stän­di­gen Ver­zicht auf irgend­wel­che fort­ge­schrit­te­nen Such­va­ri­an­ten; alle Such­wör­ter wer­den AND-verknüpft und das war es. Ande­rer­seits bedeu­tet die­ses spar­ta­ni­sche Such­in­ter­face nicht, daß Google dumm wäre — die Intel­li­genz ist nur vor dem Benut­zer versteckt.

Google ver­wen­det ein revo­lu­tio­nä­res Modell zur Erstel­lung der Rele­vanz­punkte in der Aus­gabe. Alle ande­ren Such­ma­schi­nen ord­nen die Such­er­geb­nisse ent­we­der ein­fach nach Datum, oder sie erstel­len ein “Relevanz-Ranking” auf­grund der Häu­fig­keit und Posi­tion der Such­worte im Doku­ment. Google geht andere Wege: Rele­vanz ist hier eine Eigen­schaft des WWW selbst, und nicht der Suche.

Bereits vor jeder Such­ab­frage hat Google die Link­struk­tur des WWW zur Bewer­tung mög­li­cher Rele­van­zen ana­ly­siert und dabei zwi­schen Quel­len und Link­lis­ten unter­schie­den. Quel­len sol­len Infor­ma­tion zu einem bestimm­ten Thema ent­hal­ten, Link­lis­ten sol­len auf mög­lichst viele Quel­len ver­wei­sen. Der Wert einer Quelle steigt, wenn viele Link­lis­ten auf sie ver­wei­sen, und umgekehrt.

Der Autor, Ger­not Kat­zer, führte im fol­gen­den noch einige der dama­li­gen Stär­ken und Schwä­chen von Google auf, ins­ge­samt also wirk­lich ein lesens­wer­ter Arti­kel — ich sehs schon kom­men, die Netz­tal­gie [1] wird kommen…

Als klei­nes Kon­trast­pro­gramm und zur didak­ti­schen Ergän­zung folgt nun noch ein Clip, der die Funk­ti­ons­weise des heu­ti­gen Google auf anschau­li­che Weise erklärt:

[1] Wenn man jetzt noch bedenkt, dass die Firma Apple 1998 ein Unter­neh­men war, das ganz knapp und nur mit Hilfe des über­mäch­ti­gen Geg­ners Micro­soft dem Bank­rott ent­gan­gen war… und gerade die völ­lig unvor­be­rei­tete Welt mit semi­t­rans­lu­zen­ten Com­pu­ter­ku­geln über­raschte… ist doch recht viel pas­siert, seit­her, was? Gegen so ein iPad wir­ken Kom­mu­ni­ka­to­ren schon recht pri­mi­tiv, muss man dann wie­der sagen. Unsere Gegen­wart ist in man­cher Hin­sicht beein­dru­cken­der­weise wei­ter als SciFi vor 10 Jah­ren gedacht hätte… hach je, ich beginne zu schwa­dro­nie­ren. (Aber flie­gende Autos und eier­be­stel­lende Kühl­schränke… tsts.)

Am Rande: Zitatjagd

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Das ist ja mal span­nend: Ich will Euch von etwas erzäh­len und stol­pere bei den Recher­chen letzt­lich über: mich.
Und das kam so:

Vor vie­len, vie­len Jah­ren stu­dierte ich Ger­ma­nis­tik. Eines Tages fragte mich eine Sekre­tä­rin bei uns am Fachbereich:

“Sagen Sie mal, Sie sind doch so mit Inter­net und so — wir haben da ein Pro­blem. Der Herr Pro­fes­sor hat da die­ses Zitat und wir wis­sen nicht, von wem es ist. Kön­nen Sie nicht mal schauen, ob Sie da was rauskriegen?”

Natür­lich bot ich meine Hilfe an, aller­dings schon dar­über sin­nend, was ich außer Google und viel­leicht ein paar alten ollen ande­ren Such­ma­schi­nen (die eigent­lich kei­ner mehr benutzte), auf­fah­ren könnte, um die­ses Rät­sel zu lüf­ten. Aber stolz war ich schon. Nach eini­ger Zeit saß ich rat­los vor der Tas­ta­tur und fragte mei­nen jün­ge­ren Bru­der Alex, der gerade anfing, etwas in den Tie­fen des Use­nets her­um­zu­klet­tern, ob er Rat wüsste.

Stun­den spä­ter kam er mit einer Liste mög­li­cher Zitat­quel­len und war damit mein Ret­ter — und ich galt seit­her als das Inter­net­ge­nie am Fach­be­reich, bekam ein “Sie sind ja unglaub­lich!” und zwei Fla­schen guten Wei­nes. Den Zet­tel mit den Ergeb­nis­sen habe ich natür­lich lei­der längst verloren.

Das Zitat lau­tete “Ich habe einen Gefan­ge­nen gemacht und er lässt mich nicht los.” und lässt seit­her mich nicht mehr los: es ist regel­recht fes­selnd. Das ganze ist jetzt 7 Jahre her und ich denke immer noch oft dar­über nach und frage mich, wer das wohl mal geschrie­ben haben mag.

Als ich die­ses Post vor eini­gen Minu­ten begann, war es mein Ziel, an die­ser Stelle mal rat­los bli­ckend in die Runde zu fra­gen, ob nicht viel­leicht jemand von dem noch recht über­schau­ba­ren Kreis mei­ner Leser eine leise Ahnung haben könnte von dem, der einen Gefan­gen gemacht hat, der ihn nun nicht mehr entlässt.

Aber: Bevor ich mir die Blöße geben wollte, Euch etwas zu fra­gen, was man mitt­ler­weile mit ein­fa­chem Gegoogle her­aus­fin­den kann, habe ich das ganze natür­lich selbst erst­mal ein­ge­ge­ben. Und fand ein Use­n­e­t­ar­chiv mit eben der Frage mei­nes Bru­ders inklu­sive der gege­be­nen Antworten:

Hallo!
Mein Bru­der (Germanistik-Student im 6. Semes­ter) fragte mich heute,
von wem fol­gen­des Zitat wäre:
“Ich habe einen Gefan­ge­nen gemacht und er lässt mich nicht los“
Inge­borg Bach­mann hat dies mal ver­wen­det, aller­dings nur unter
unge­nauer Quel­len­an­gabe.
Ich und mein Bru­der bit­ten um Hilfe.

Gruss und danke
alex

An die­ser Stelle also, reich­lich ver­spä­tet, auch noch mal mein Dank an die Hel­fer! Ich denke, Heine ist die Auf­lö­sung (von Wolf Busch):

Mar­ga­reta
(König Hein­rich VI. Ers­ter Teil)

Hier sehen wir die schöne Toch­ter des Gra­fen Reig­nier noch als Mäd­chen. Suf­folk tritt auf und führt sie vor als Gefan­gene, doch ehe er sich des­sen ver­sieht, hat sie ihn sel­ber gefes­selt. Er mahnt uns ganz an den Rekru­ten, der, von einem Wacht­pos­ten aus, sei­nem Haupt­mann ent­ge­gen­schrie: »Ich habe einen Gefan­ge­nen gemacht.« — »So bringt ihn zu mir her«, ant­wor­tete der Haupt­mann. »Ich kann nicht«, erwi­derte der arme Rekrut, »denn mein Gefan­ge­ner läßt mich nicht mehr los.«
(Heine: Sämt­li­che Werke, Bd. III, Schrif­ten zu Lite­ra­tur und Poli­tik I, Mün­chen: Arte­mis & Wink­ler, 1992; S. 625)

siehe hier.

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