Eine wis­sen­schaft­li­che Arbeit schrei­ben heißt, den aktu­el­len Stand zu einem Thema zusam­men zu fas­sen und zu erwei­tern. Das heißt, vor der eigent­li­chen Arbeit kommt die Recher­che­ar­beit, das Anhäu­fen von Wis­sen, genauer: von Quel­len. Wer hat dazu schon mal was gesagt? Was ist “dazu” eigent­lich genau? Schnei­det sich das mit ande­ren The­men? Wer sind die wesent­li­chen For­scher, was sind ihre Arbei­ten, auf wen beru­fen sie sich, seit wann gibt es das ganze, was sind Ent­wick­lun­gen und Ten­den­zen, Schu­len und Fron­ten des gan­zen The­mas? An und für sich eine ermü­dende Arbeit, denn man liest nur wenig, haupt­säch­lich Titel des Auf­sat­zes, Namen der Auto­ren, gege­be­nen­falls drei Sätze aus dem Abstract und dann die jewei­li­gen Lite­ra­tur­ver­zeich­nisse. Dann wird wei­ter­ver­folgt. Aha. Der scheint mehr zu dem Thema zu machen. Das hier klingt auch inter­es­sant, ob ich das ein­bauen kann? Ach ja, die haben ja mal was zusam­men gemacht, hätte man sich den­ken kön­nen. Man nennt das auch das Schnee­ball­prin­zip. Man nehme einen belie­bi­gen Auf­satz und fahre fort bis an sein Lebens­ende. Sisyphos.

Aber nein, ich will mich nicht dar­über beschwe­ren, dass so gut wie jedes Thema unscharfe Kan­ten hat und damit ganz fürch­ter­lich aus­fran­sen kann wenn man sich an sei­nen Rand begibt, son­dern über etwas ganz ande­res. Die Schwie­rig­keit, die gesam­mel­ten Erkennt­nisse irgend­wie ver­wert­bar zu hal­ten. Im Zuge der Recher­che für meine Magis­ter­ar­beit (“Für Deine was? Gibts da ne Liste?”) hatte ich gegen Ende um die 300 kryp­tisch benannte Auf­sätze auf mei­ner Fest­platte in ver­schie­de­nen mehr oder weni­ger intel­li­gent sturk­tu­rier­ten Ord­nern ver­sam­melt. Einige waren farb­lich mar­kiert um noch zusätz­li­che Infor­ma­tio­nen auf Anhieb ver­füg­bar zu machen. Dazu hatte ich eine umfang­rei­che Lite­ra­tur­liste die gut die Hälfte die­ser Auf­sätze mehr oder weni­ger ein­heit­lich in Zitier­stil erfasst hatte. Diese war vol­ler Feh­ler. Diese Feh­ler zu behe­ben, dau­erte Stun­den, da ich oft nicht mehr her­aus­fand, wo ich den Arti­kel her hatte oder aus wel­chem Jahr er stammte. Kurz und gut, es war ein Chaos und ich habe es nur durch sehr viel Auf­wand geschafft, da wie­der raus zu kom­men. Aber woher kommt die­ses Chaos? Hatte ich mich nicht bemüht, Ord­nung wal­ten zu las­sen? Ord­ner­strutktur, Liste, Farb­code — ist dass denn so schlecht? Es reicht zumin­dest nicht. Fol­gende Infos müss­ten irgend­wie mit­ein­an­der ver­bun­den sein: Zitier­an­gabe (das heißt Nach­name, Vor­name, wei­tere Auto­ren: Titel. Stadt: Ver­lag, Jahr. bzw. Zeit­schrift, Band, Jahr, bzw. Domain, Stand), Hin­weise auf den Inhalt (Tags), die Rele­vanz und den Ort, an dem ich das ganze gefun­den, ggf. direkt zusam­men mit der PDF-Datei. Ich war kurz davor, mir hän­disch eine html-Liste anzu­le­gen, aber das wäre am Ende nur noch mehr Arbeit gewe­sen. Heute saß ich wie­der vor fünf hand­ge­schrie­be­nen Sei­ten aus der Biblio­thek, einem Ord­ner vol­ler PDFs, einer Wong-Roll vol­ler Links und einem Sta­pel Bücher. Da wun­derte ich mich: Hatte ich nicht mal so eine Seite gese­hen, im Netz: Lite­ra­tur­or­ga­ni­sa­tion? Stun­den­lan­ges goog­len, das mir wie schä­bige Ver­mei­dungs­stra­te­gie schien, brachte nicht den Erfolg, den mein Lieb­lings­li­te­ra­tur– und Medi­en­wis­sen­schaft­ler in weni­gen Minu­ten brachte: Die Rede ist vom sen­sa­tio­nel­len Mar­kus von Text und Blog, an die­ser Stelle noch­mals mein tiefs­ter Dank.

Connotea

Mar­kus brachte mich näm­lich auf einige span­nende Pro­jekte, dar­un­ter das von Beluga (lei­der noch in Arbeit) sowie auf drei Web2.0 Dienste die im Stabi-Blog vor­ge­stellt wur­den. Diese drei erfül­len im Grunde alle den glei­chen Zweck, sie hel­fen dem Wis­sen­schaft­ler, Quel­len, Inhalte und Dateien bei­ein­an­der zu hal­ten: CiteU­Like, Con­no­tea und Bib­So­nomy. Nach einem kur­zen Rund­flug ent­schied ich mich für das in der Mitte und stellte fest, dass der Sup­port sehr freund­lich ist, die Seite sehr ange­nehm zu bedie­nen und meine Haupt­quelle nicht beson­ders bedie­ner­freund­lich. So dau­erte die Arbeit zwar lange, aber sie war wenigs­tens nicht frucht­los. Hallelujah.

Edit: Und noch­mals danke an Mar­kus für Unter­stüt­zung in mei­nen Schi­s­chy­phusch–Kampf gegen die Recht­schrei­bung ;-)

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